Verteidigung im Krisenfall: Die Ursprünge des Schützenfestes

Bereits im Mittelalter hielten viele Städte jährliche Wehr- und Schießübungen ab, damit ihre Bürger im Krisenfall die Freiheit der Stadt verteidigen konnten. Die älteste überlieferte Organisation, die in Neuss solche Übungen abhielt, war die Sebastianus-Bruderschaft von 1415.

Das Schützenfest in der heutigen Form geht  auf das Jahr 1823 zurück. Nach dem Ende der französischen Besatzung unter Napoleon bat die Neusser Junggesellen-Sodalität um die Genehmigung, parallel zur bereits existierenden Bartholomäuskirmes ein Vogelschießen sowie einen Festumzug abhalten zu dürfen. Die Veranstaltung zählte etwa 100 Teilnehmer, 1824 waren es bereits 135. In den folgenden Jahrzehnten entwickelten sich die heute bekannten Strukturen: 1833 wurde ein Komitee gewählt, dass mit der Ausrichtung des Schützenfestes beauftragt wird, 1840 wurde die Königsparade in das Festprogramm aufgenommen. Mehr und mehr strukturierte sich das Regiment in die heute noch bekannten Korps. 1901 wird nach der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches der Neusser Bürger-Schützen-Verein in das Vereinsregister eingetragen.

Hintergrund - Einführung in die Ursprünge und Entwicklung des Neusser Bürger-Schützen-Vereins e.V. und des Neusser Schützenfestes von Hans Mausberg.

Von der ernsten Waffenübung zum modernen Schützenfest
Von Hans Mausberg

Aus dem Buch  „Freut Euch des Lebens",
hrsg. von der Vereinigung der Heimatfreunde Neuss e.V.

Schützenfeste sind in ganz Deutschland, wie auch in den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und Österreich weit verbreitet. Sie haben sich fast überall von ernster Waffenübung zu frohem Spiel gewandelt. Doch soll man darüber die Notwendigkeit, aus der sie entstanden, nicht vergessen. „Stadtluft macht frei“ so hieß es. Diese Freiheit war jedoch nicht zum Nulltarif zu haben. Die Städte mussten ihre Freiheit gegen vielerart Bedrohung verteidigen. Sieg und Niederlage hing neben der Stärke der Stadtbefestigung von der Qualität der Bewaffnung ab und von der Fähigkeit der Bürger, sie zu handhaben. Die Armbrust mit ihrer großen Reichweite und Durchschlagskraft war die wirkungsvollste Waffe des Bürgers. Zur Förderung und Kontrolle der Leistungsfähigkeit in ihrem Gebrauch wurden jährlich „Stadtschießen“ oder eben „Schützenfeste“ abgehalten. An diesem Tag, Kirchweih oder Fest eines Schutzheiligen, wurden nach gemeinsamem Gottesdienst die Waffen gemustert und Wettschießen gehalten. Dem oder den Siegern winkten neben Ehre und Auszeichnungen oft bedeutende materielle Belohnungen. Es wurde dabei selbstverständlich gut gegessen und getrunken und das Tanzbein geschwungen. Das Aufkommen der Feuerwaffen, die nur allmählich die Wirkung und Zuverlässigkeit der Armbrust erreichten, änderte nur wenig an Art und Weise der Schützenfeste.

Doch trennten sich die Schützengilden häufig und bald sprach man von den „alten Schützen“, die die Armbrust beibehielten und den „jungen Schützen“ die das „Feuerrohr“ handhabten. Mit dem Aufkommen des Söldnerwesens verlor das Schützenwesen an Bedeutung und die Schützenfeste dienten mehr und mehr der Geselligkeit. In den linksrheinischen Gebieten des Rheinlands wurde Bestehen und Tätigkeit der Schützengilden und Bruderschaften mit dem Einmarsch der französischen Revolutionsheere für lange Zeit unterbrochen. Jedoch hatten sie ein zähes Leben und ließen sich leicht wiedererwecken. Die sich von 1415 datierende „Sankt Sebastianus-Bruderschaft zu Neuss“, 1794 aufgehoben, erstand schon 1803 neu. Diesmal jedoch unter dem Patronat Sankt Jakobus des Älteren und heute als „Neusser Scheibenschützen-Gesellschaft“ bekannt.

Im Jahre 1823 gründete die „Neusser Junggesellen Sodalität“ die Neusser Vogelschützengesellschaft, die ein Schützenfest mit Vogelschießen veranstalten wollte. Zur „Bartholomäuskirmes“, Ende August also, marschierte ein Schützenzug durch die Stadt, Grenadiere, Füsiliere und Jäger. 1824 gab es 134 Aktive, die von einem General befehligt wurden. 1827 erlaubte eine neue Satzung, dass die Mitglieder auch nach der Heirat weiter am Schützenfest teilnehmen dürfen. Ein wichtiger Schritt für die Entwicklung des Festes, denn höchstwahrscheinlich wären nur wenige um des Schützenfestes willen unbeweibt geblieben. Die 1836 erstellte Satzung, die „Statuten für die Neusser Bürger-Schützen-Gesellschaft“ bestimmte, dass jeder Bürger und Bürgerssohn Mitglied werden kann. Ab 1828 nahm das „Corps der Ringstecher“, das heutige Reitercorps, am Schützenfest teil. Seit 1830 marschieren die Sappeure an der Spitze des Regiments. Innere und äußere Ursachen führten zu einer Unterbrechung in der Reihe der Schützenfeste. 1833 wurde wieder gefeiert. In diesem Jahr wurde zum ersten Mal neben dem Vogelkönig auch ein Scheibenkönig ausgeschossen. Neben dem Schützenkönig wurden der Scheibenkönig und der Sieger der Ringstecher, später „Reitersieger“ genannt, feierlich proklamiert. Dieser Brauch hat sich bis 1938 gehalten. Seitdem sind Schützenkönig und Reitersieger die Hauptpersonen des Krönungsballes, der ursprünglich mittwochs gehalten, im Laufe der Zeit auf den Samstag nach dem Schützenfest gelegt wurde. Der Krönungsball fand in den Anfängen im „großen Saal“ des städtischen Kaufhauses am Markt und später in der „Tonhalle“, einem zu Füßen des Wasserturms gelegenen, hölzernen Saalbau, statt.

1834 wurde die Bezeichnung Neusser Bürger-Schützenfest eingeführt und das bis auf wenige Änderungen noch heute gültige Festprogramm aufgestellt. Das 1851 gegründete „Fünfte Corps“, die Neusser Artillerie, nahm 1845 zum ersten Mal am Schützenfest teil. 1868 wuchs die „Schützenlust“ und 1902 die Hubertus-Schützen-Gesellschaft dem Neusser Schützenregiment zu. Manches aus den früheren Tagen des Schützenfestes ist verschwunden. Es gab einen geharnischten Ritter, einen Herold und einen Zeremonienmeister. Die als Meldereiter fungierenden Husaren werden noch 1898 erwähnt. Früh schon hört man weißgekleideten Mädchen oder „Ehrenjungfrauen“ im Gefolge des Königs. Später kamen „Pagen“ hinzu. 1868 werden „Edelpagen“ erwähnt, und oft wirken „Edelknaben und weißgekleidete Mädchen“ bei den Feierlichkeiten mit. Heute sind die Edelknaben nicht das jüngste Korps, aber das „Korps der Jüngsten“. Die altehrwürdige „Neusser Scheibenschützengesellschaft von 1415“ nimmt seit 1920 auch als eigenes Korps am Schützenzug teil. Nehmen wir uns noch das Komitee des Neusser Bürger-Schützenvereins, das „festordnende Comitee“ wie es früher genannt wurde, hinzu, dann haben wir fast das ganze Regiment zusammen. Aus dem Jahre 1849 stammt die erste Kunde von dem aus den Scheibenschützen hervorgegangenen „Schieß-verein mit gezogenen Büchsen“. Aus diesem Verein ging 1850 die „Neusser Schützengilde“ hervor, die aber 1892 wieder mit den Scheibenschützen verschmolz. 1961 fanden sich einige interessierte Schützen zusammen, nach einigen Geburtswehen reanimierte man das Korps und marschierte 1962 als Schützengilde Neuss wieder mit.

Beim ersten Schützenfest 1823 wurden 100 Mann von einem General befehligt. Heute kommandiert ein Oberst das Regiment der Neusser Schützen, das mittlerweile allerdings 6600 Mann zählt. In früheren Zeiten wurden die Offiziersstellen zu Gunsten der Vereinskasse versteigert. Heute wählen die Schützen ihre Offiziere. Das heißt: es geht noch etwas demokratischer als in der Schweizer Armee. Die Sappeure werden von einem Hauptmann, die anderen Korps von Majoren bzw. das Artillerie- und Reiterkorps von „Chefs“ geführt. Den Majoren bzw. Chefs steht ein Adjutant zur Seite. Die größeren Korps sind in Züge eingeteilt, die zwar am Schützenfest als Grenadierzug, Jägerzug usw. im Verband ihres Korps teilnehmen, außerhalb des offiziellen Dienstes aber so feiern wie es ihnen passt. Die Korpsversammlungen wählen aus den Zugführern den Hauptmann, dessen Zug damit Hauptmannszug wird und als erster Zug im Korps marschiert. Ob Sekt oder Selters – das bestimmt jeder Zug nach seinem Geschmack. Jeder Zug wird von drei Chargierten geführt, Oberleutnant als Zugführer, Leutnant und Feldwebel. Die Chargierten werden von ihrem Zuge gewählt und haben für ihre Montierung Sorge zu tragen. Nach alter Sitte geben sie an den Schützenfesttagen reihum ihrem Zug ein Frühstück. Das ist die Hohe Ehre allemal wert.

Mit freundlicher Genehmigung der Vereinigung der Heimatfreunde Neuss e.V. aus dem Buch "Freut Euch des Lebens - Schützen, Schützenfrauen und Schützenfest in Neuss am Rhein", ISBN 3-923607-28-8. Erhältlich auch in der Geschäftsstelle des Neusser Bürger-Schützen-Vereins e.V.

Zeittafel (Die Kurzversion) - Eine Zeittafel des Schützenwesens in Neuss von seinen Anfängen im 13. Jahrhundert bis heute.

13. Jhdt. - 1822: Von den Ursprüngen bis zum Kaiser Alexander von Russland.

1823 - 1849: Von der Gründung des Neusser Bürger-Schützen-Vereins bis zum 25jährigen Jubiläum.

1850 - 1899: Von der Gründung der Schützengilde bis zum Eintritt der St-Hubertus-Schützengesellschaft.

1900 - 1949: Vom Eintrag in das Vereinsregister des Neusser Bürger-Schützen-Vereins zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

1950 - heute: Von der Neugründung der Schützenlust bis heute.

Zeittafel (Die ganze Historie) - Eine Zeittafel des Schützenwesens in Neuss von seinen Anfängen im 13. Jahrhundert bis heute.

13. Jhdt.: Schon zu Beginn dieses Jahrhunderts (um diese Zeit, nämlich 1209 wurde auch der Grundstein des heutigen Quirinus-Münsters an der Stelle von Vorgängerbauten gelegt) standen nach einem Bericht der Kölnischen Kriegschronik Schützen auf den Wällen der Stadt Neuss; es dürfte sich noch nicht um organisierte Schützenbruderschaften o.ä. gehandelt haben, da diese erst in nachfolgenden Jahrhunderten entstanden.

01.11.1415:
Die nachweisbar älteste Schützenorganisation in Neuss wird gegründet, eine Sebastianus-Bruderschaft der Schützen-Gesellen (Gründungsurkunde im Neusser Stadtarchiv). Sie ist Sinnbild des Willens der Bürger, ihre Freiheit und die Eigenständigkeit der Stadt und ihrer Bürger zu bewahren und sichern.

03.01.1451:
Rektor Kott erteilt der Sebastianus-Bruderschaft die Erlaubnis, künftig ihre Gottesdienste in der Marienkapelle am Markt zu halten; sie war damals die eigentliche Neusser Pfarrkirche

1494:
Die „alten“ Schützen pachten von der Stadt den Söller am Markt für ihre Versammlungen und Festessen.

16. Jhdt.:
Die „jungen“ Gesellen sind zu einer eigenen Wehrformation vereinigt, die mit den Bürgern die Stadt bewachen musste und deren Anführer vom Rat ernannt wurden.

21.05.1539:
Im Neusser Ratsprotokoll ist ein festlicher Tag des Vogelschusses („Holtfahrtzdach“) erwähnt.

1583:
Der Rat bewilligt den jungen Gesellen eine Fahne, damit sie bei der bevorstehenden Huldigung des Kurfürsten in vollem Schmucke auftreten können.

31.05.1611:
Es ergeht ein Ratsbeschluss darüber, an „Bimbelberghs Kamp im Hamfeldt“ den Vogel zu schießen.

12.08.1618:
Ein Ratsprotokoll berichtet über ein öffentliches Preisschießen mit auswärtigen Gästen vor der „Oberpfortzen“..

30.03.1638:
Eine Schützen- bzw. Schießordnung für „Bürger, Bürgersöhne und  Junggesellen“ wird vom Rat erlassen.

31.05.1664:
Der Stadtrat genehmigt die Aufstellung von „Schießroethen“ vor dem Niedertor.

29.05.1665:
„Zu Uffmunterung der Bürgerschaft“ wird ein Ratsbeschluss u.a. über die Stiftung eines „Königsmorgens“ für die Schützen gefasst.

15.06.1714: Ein neuer Satzungsentwurf für die Sebastianus-Bruderschaft wird vom Rat ratifiziert.

13.07.1720:
Der Landesherr Joseph Clemens Herzog von Bayern besucht Neuss, die Schützen halten zu seiner und des Fürstbischofs von Münster und Paderborn Ehre ein Festschießen auf ihrem Stand ab.

03.08.1723:
Eine bürgerliche Schützen Gesellschafts-Ordnung legt u. a. fest, dass Schützen mindestens 18 Jahre alt sein müssen. Das ist bis heute so.

1791:
Der Neusser Stadtrat lehnt das Gesuch einiger Bürger auf Gründung einer neuen Schützenbruderschaft ab.

1794:
Mit dem Einmarsch der Franzosen gehen manche weltliche und kirchliche Einrichtungen sowie Feste unter. Das Schützenwesen allerdings ist zäh und überlebt.

1801:
Neusser Junggesellen erhalten 1801 offiziell die Erlaubnis zur Gründung einer Marianischen Jungesellen-Sodalität ("Gesellenschaft") am Quirinus-Münster.

1802: Die verheirateten Männer folgen und gründen die Marianisch-Quirinische Männer-Sodalität.

1803/4:
Die Scheibenschützengesellschaft erneuert sich, zunächst beginnen wieder Schießübungen, am 22.03.1804 erhält die Gesellschaft eine neue Schützenordnung, in der festgelegt ist, dass das Hauptschießen am Jakobitag stattfindet (daher heißt bis heute der König der Scheibenschützengesellschaft „Jakobuskönig“). Bürgermeister Franz Jordans schenkt der Gesellschaft eine neue Fahne von weißer Seide ).

1804:
Die Scheibenschützen stehen zum Besuch Napoleons Spalier. Sie dürfen auch wieder die Fronleichnamsprozession begleiten.

1813: In Neuss wird ein Schützenfest gefeiert.

Mai 1814: Auch in diesem Frühjahr, als das Reich Napoleons sich dem Ende zuneigt, wird in Neuss ein Schützenfest gefeiert. Ein Jakob Schuldres wird Schützenkönig.

06.07.1814:
Kaiser Alexander von Russland kommt auf der Rückreise von Paris nach Neuss. Aus Freude über die Friedensfeier veranstalten die Neusser aus diesem Anlass eine wahre „Kirmes“. Die Junggesellen der 1801 gegründeten Sodalität ziehen ein Vogelschießen auf.

05.08.1823:
Praefectus Johannes Everhardus Raths und die Assistenten B. H. Derath sowie Johann Joseph Schram erbitten für die Neusser Junggesellen-Sodalität von 1801 beim neuen Bürgermeister Joseph Anton Reuter die Erlaubnis, eine Vogelschützen-Gesellschaft gründen zu dürfen, sie wünschen „schon bey der nächsten Kirmeß die Sache ins Leben führen zu können“, also rechtzeitig vor der Kirmes 1823 und beabsichtigen, jährlich an einem oder mehreren der Bartholomäus-Kirmestage ein festliches Vogelschießen nach alter Sitte zu halten. Auch Nichtmitglieder der kirchlichen Sodalität sollen nach erfolgreicher Ballotierung teilnehmen können, müssen allerdings mindestens 20 Jahre alt sein und ebenso wie alle anderen Teilnehmer Junggesellen. Insgesamt umfasst die Satzung 14 Artikel, u.a. ist bestimmt, dass der Zug aus drei Abteilungen besteht, die Ehre des Königs mit keinen Unkosten verbunden sein soll und dass sich durchaus keiner berauschen dürfe.

07.08.1823:
Bürgermeister Reuter erteilt die Genehmigung zum Umzug und zum festlichen Vogelschießen; dies verbindet er mit dem Hinweis, dass auf die „gehörige Ordnung“ zu achten ist, ansonsten dies künftig untersagt werde. Der Ursprung des Neusser Schützenfestes der Neuzeit ist gelegt.

August 1823:
Der Zug ist in drei Abteilungen formiert, die der Grenadiere, Füsiliere und Jäger. Rund 100 Junggesellen ziehen, angeführt von Chargen, durch die Stadt. Die beiden Gründungskorps des Neusser Bürger-Schützenvereins, die Grenadiere und die Jäger sind dabei. Der erste Schützenkönig ist Christian Mildenberg.

18.10.1823:
Als Ersatz für die beschädigte seidene Schwenkfahne der Sodalität, die 1804 von dem Maler Peter Cornelius entworfen wurde, schenkt der Norfer Pfarrer Reuter den Neussern eine Fahne, die von Joseph Willms gestaltet wird. Die Fahne wird in der Norfer Pfarrkirche St. Andreas geweiht, sie zeigt St. Quirin und St. Andreas, wird aber auf dem Heimweg schon schwer beschädigt. Dafür fertigte Willms kostenlos ein neues Exemplar an, das nun die Dreifaltigkeit darstellt. Diese Fahne wird im nächsten Jahr zusammen mit einer von Franz Josten gestifteten Fahne, die die Himmelfahrt Mariens zeigt, offiziell erwähnt.

1824: Zum Schützenfest besteht der Zug aus 135 Mann, an der Spitze reitet General Joseph Leuchtenberg. Der König trägt ein Königssilber, das Leuchtenberg gestiftet hat, das dann aber verschwindet und erst 1927 wieder auftaucht. 1945 verschwindet es erneut spurlos. - Fürst Josef von Salm-Dyck wir als Gast zum Schützenfest eingeladen. Offenkundig wurde bereits hier die Tradition der Einladung von Ehrengästen begründet. Der Fürst besuchte das Schützenfest auch in weiteren Jahren.

29.07.1826:
Der Stadtrat beschließt mit Mehrheit, aber gegen den Willen von Bürgermeister Reuter erstmals einen Zuschuss von 40 Talern zur Deckung der Kosten des Festes. Auch heute noch gibt es einen städtischen Zuschuss, dies letztlich als Ablösung für die (den Zuschuss übersteigenden) Einnahmen aus dem Kirmesplatz, den Fahrgeschäften etc., die früher dem Neusser Bürger-Schützen-Verein, heute aber der Stadt zufließen.

04.08.1826:
Erstmals wird durch eine Zeitungsannonce für das bevorstehende Schützenfest geworben, dies im „Neußer Intelligenzblatt“.

26.08.1826:
Der am 29.07.1826 beschlossene Zuschuss wird endlich am „Kirmessamstag“ an den Neusser Bürger-Schützen-Verein ausgezahlt, nachdem Landrat Otto Wilhelm von Bolschwing den sich sträubenden Bürgermeister Reuter hierzu angewiesen hat.

1826:
Dem Schützenkönig wird am Dienstag auf dem Markt gehuldigt. auch eine Schützenkönigin wird gekrönt. Schützenkönig ist der unverheiratete Joseph Leuchtenberg, der als Junggeselle entsprechend den zumindest bis 1836 bestehenden Satzungsbestimmungen eine „Tochter des Landes“ zur Königin auswählt.

15.08.1827:
Aus Anlass der Beantragung eines Zuschusses beschließen die Vorsteher des Neusser Bürger-Schützen-Vereins eine neue Satzung, die 69 Paragraphen aufweist und u.a. regelt, dass auch verheiratete Männer am Schützenfest teilnehmen dürfen, sie sind aber nicht so streng verpflichtet wie die Junggesellen.

1828:
Für das Schützenfest wird auf Anregung des Vorstandes wegen der zu erwartenden Menschenmenge erstmals die städtische Wiese (heutige Rennbahn, damals mit Hügel gegenüber dem heutigen Stadtarchiv) genutzt, nachdem zuvor für das Vogelschießen der Garten vor dem Obertor sowie 1827 der Hellersberger Acker zwischen Kölner Landstraße und dem Rhein genutzt worden war. - Das Ringstechen gehört zu den Spielen auf der Wiese, erstmals nimmt das Reitercorps am Schützenfest teil.

19.02.1829: Der Stadtrat beschließt auf Anregung des neuen Bürgermeisters Carl Conrad Loerick, dass künftig das Neusser Schützenfest am Sonntag nach Bartholomäus (24.08.) gefeiert wird, wenn Bartholomäus auf einen Sonntag fällt an diesem Tag (seit 1970 modifiziert). Beweggrund des Beschlusses ist, Terminkollisionen mit Heerdt sowie Ober- und Niederkassel zu vermeiden und auswärtige Besucher zu gewinnen.

31.08.1829: Das Programm für das Schützenfest 1829 erwähnt eine Königsparade, die am Montag des Festes stattfindet.

1830:
Erstmals sind Sappeure (auch als Pioniere bezeichnet) in den Annalen erwähnt; für sie hat der Neusser Bürger-Schützen-Verein Uniformen und Ausrüstung angeschafft. Durch den Druck von Festplakaten in zwei verschiedenen Ausführungen, die Auflage eines neuen Liederbuches u.a. entsteht ein Defizit in der Kasse, welches letztlich, wenn auch widerwillig durch die Sodalität und einige Mitglieder beglichen wird.

03.08.1831:
In der Promenade wird einer neuer Schießstand der Scheibenschützengesellschaft eingeweiht, auf dem auch der Neusser Bürger-Schützen-Verein heimisch wird.

1831:
Das Schützenfest fällt wegen der aus dem Osten kommenden Cholera-Gefahr aus.

1832:
Das Schützenfest fällt abermals aus. Grund ist die Furcht vor einem Krieg wegen der Lösung Belgiens von Holland und die Mobilmachung des VII. preußischen Armeekorps.

1833:
Bürgermeister Loerick und das Rathaus bereiten statt der Sodalität das Fest mit verkürztem Programm vor. Der Neusser Bürger-Schützen-Verein hat 232 Mitglieder, am 30.07.1833 fasst eine erste Versammlung den Beschluss, ein neunköpfiges Komitee zu wählen, dem der Bürgermeister als geborenes Mitglied angehört. Das erste Mitgliederverzeichnis wird aufgelegt.

13.08.1834: Zwischen Vertretern des Komitees und den Musikern Wilhelm und Heinrich J. Sommer wird der erste überlieferte Vertrag über Musik geschlossen.

1834:
Das Komitee stellt ein gegenüber dem Vorjahr überarbeitetes und erweitertes Programm für die Schützenfesttage auf; von den 519 Mitglieder des Neusser Bürger-Schützen-Vereins beteiligen sich 215 am Vogelschießen und 157 am Scheibenschießen.

1835:
Die Zahl der Mitglieder verringert sich auf 272, die 52 Reiter stellen das stärkste Corps.

Herbst 1835:
Die Regierung in Düsseldorf fordert die Statuten des Neusser Bürger-Schützen-Vereins und das letzte Festprogramm an, dies verbunden mit dem Hinweis, dass ohne Statuten ein öffentliches Schützenfest nicht mehr abgehalten werden darf. Bürgermeister Loerick reicht nur ein Festprogramm ein und teilt auf Erinnerungen der Regierung dieser mit, dass sich der Verein in jedem Jahr mit der Rechnungslegung auflöse und erst im nächsten Jahr neu bilde, der neue Vorstand werde dann Statuten übersenden.

20.07.1836:
Landrat Bolschwing mahnt die Statuten des Vereins an, mangels positiver Reaktion vermutet er die Absicht „das Fest in diesem Jahr einmal ruhen zu lassen“; dies ruft diverse Schützen auf den Plan, die auf einer Versammlung, bei der anscheinend der Schützenkönig des Vorjahres wortführend ist, das Komitee zur Einberufung der Generalversammlung aufrufen.

30.07.1836: Die Generalversammlung stellt erstmals die Frage „Sollen wir auch in diesem Jahre Schützenfest feiern?“ Die Frage wird mehrheitlich bejaht. Die Komiteewahlen gestalten sich schwierig, nachdem diverse Gewählte die Annahme des Amtes abgelehnt oder nicht reagiert haben, auch solche, die früher schon im Komitee tätig waren oder aus den führenden Familien der Neusser Bürgerschaft stammten.

06.08.1836: Auf das Drängen von Bürgermeister Loerick werden die geforderten Statuten beschlossen, von der Regierung jedoch zurückgewiesen. Die überarbeiteten Statuten werden kurz vor dem Schützenfest genehmigt, der „Kirmesmittwoch“ im Programm musste aus Gründen der Staatsraison gestrichen bleiben, der Krönungsball am Mittwoch des Schützenfestes wurde aber gleichwohl nicht untersagt.

1837:
Bürgermeister Loerick vermerkt, dass dem Feste „die frühere lebendige Teilnahme mehr und mehr abzugehen“ scheint; ein städtischer Zuschuss wird nicht gewährt.

1838: Wiederum gibt es keinen Zuschuss aus der Stadtkasse. Das Schützenfest geht still vorüber, öffentliche Aufzüge finden nicht statt, es werden nur Schießen vor dem Obertor und ein Festball auf dem Kaufhaus-Saal abgehalten.

1839:
Unstimmigkeiten im Neusser Bürger-Schützen-Verein treten offen zu Tage, die Stadt gewährt abermals keine finanzielle Unterstützung. Es findet nur ein Preisschießen auf dem „Gütchen“ statt. Doch auf der Generalversammlung setzt der Verein Zeichen für einen Aufschwung, im Vorstand werden klare Verhältnisse geschaffen und 15 Neusser zu Ehrenmitglieder ernannt, um sich deren Unterstützung zu sichern. Eine zweite Generalversammlung beschließt auf Vorschlag des Vorstandes, den heiligen Sebastianus als Patron der Neusser Bürger-Schützen zu wählen.

1840:
Das Schützenfest wird wieder festlich gefeiert. Erstmals sammeln sich am frühen Sonntagmorgen die Schützen auf dem Markt, um den König zum Hochamt abzuholen, erstmals steht eine sonntägliche Königsparade auf Programm; sie ist seitdem fester Bestandteil des Festablaufs.

23.03.1848:
500 Bürger und Bürgerssöhne gründen im Saal des Kaufhauses eine Bürgerwehr und wählen Schützenoberst Adam Hesemann zum Kommandanten; er gebietet über zwei Banner zu je vier Kompanien, denen am 31. März Fahnen in den Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold übergeben werden; die Gedienten unter den Bürgern erhalten Waffen ausgehändigt.

1848:
Trotz der politischen Wirren beschließen die Bürger und Bürgersöhne, das Schützenfest in gewohnter Weise zu feiern, aus Anlass des „fünfundzwanzigjährigen Jubel-Schützenfestes“ gestalten Neusser Frauen und Mädchen eine Jubiläumsfahne, die bis heute dem Regiment vorangetragen wird (seit dem Oberstehrenabend 2001 in einer wertvollen Replik, die von Ehrenoberst Josef Bringmann zu seinem Abschied gestiftet wurde).

April 1850: Die Schützengilde wird gegründet.

August 1851: Im Neusser „Intelligenzblatt“ erfolgt ein Aufruf zur Gründung eines „fünften Corps“ (neben Grenadieren, Jäger, Reitern und der Schützengilde), eines Corps der „Neußer Artillerie“, das mit großem Geschütz am Schützenfest teilnehmen will. Der Neusser Bürger-Schützen-Verein und das Komitee lehnen eine Teilnahme unter Berufung auf die Satzung und die in ihr ausschließlich genannten drei ältesten Korps ab.

1853: Das Komitee lenkt ein, das Corps der Artillerie zieht erstmals mit.

1854:
Es gibt neue Auseinandersetzungen zwischen dem Komitee und der Artillerie, die auch Bürgermeister Michael Frings nicht erfolgreich schlichten kann. Die Artillerie feiert daher zum traditionellen Termin ein eigenes Schützenfest, bei dem sie auch einen eigenen König ausschießen lässt. Das Festesduo wird von der Presse als glänzend und bestens besucht gefeiert.

1856:
Die Artillerie marschiert wieder und seitdem ohne irgendwelche Animositäten mit.

1858:
Eine Gesellschaft „Freischütz“ gründet sich, die aber nur bis 1868 besteht.

1864:
Aus Teilen der Gesellschaft „Freischütz“ wird nach noch ungesicherter Überlieferung die Gesellschaft „Schützenlust“ gegründet.

1869:
Das Regiment wächst weiter, die Gesellschaft „Schützenlust“ wird in der „Neußer-Kirmes-Zeitung“ vom 25.08.1888 genannt.

1870:
Das Schützenfest fällt aus.

1882:
Der Krönungsball findet seit diesem Jahr nicht mehr am Mittwoch, sondern am darauf folgenden Sonntag statt (bis 1952).

1883:
Der amtierende Schützenkönig zieht vor dem Schützenfest von Neuss weg, „nach altem Herkommen“ wird daher der amtierende Scheibenkönig als Schützenkönig eingesetzt.

1884: Erstmals wird ein Trinkhorn, welches die Jägerzüge mit sich führten (der Hornträger heißt „Höhnes“), zum Blumenhorn umfunktioniert; Anlass hierfür war, dass ein in Auftrag gegebenes Trinkhorn zum Schützenfest noch nicht fertig gestellt war, es fehlte der Deckel, der das Herausschlabbern des Bieres verhindern soll. Man behalf sich damit, dass man das Trinkhorn mit einem Blumenstrauß zierte.

1885:
Die Königsparade findet „d´r Maat eraff“ (den Markt herunter) statt; König und Komitee nehmen die Parade auf der Südseite des Marktes ab. Es ergeht die Anregung, den König mit dem Komitee künftig auf eine „fliegende Tribüne“, ein Podest zu stellen.

1891:
Ein Sternschießen der Damen findet statt, in den Folgejahren schießen sie auch auf einen Königsvogel.

1892:
In Neuss findet das 13. Rheinische Bundesschießen in Verbindung mit dem Schützenfest statt; auch auswärtige Gäste nehmen an der Königsparade und am Festzug teil, ebenso die Scheibenschützen (dauerhaft dann ab 1920); sie marschieren hinter der Schützenlust. Mit Louis Iselin (Gutspächter von Schloss Reuschenberg) wird ein Schweizer Schützenkönig in Neuss.

1893:
Wegen der anstehenden Herbstmanöver, bei denen rund 1000 Mann in Neuss einquartiert werden, wird das Schützenfest um acht Tage vorverlegt; Heerdt und Oberloerick gehen dafür in diesem Jahr auf den Neusser Termin. Schützenkönig wird Landrat Dr. Clemens Freiherr von Schorlemer. Wegen einer drohenden Choleraepidemie werden Tanzveranstaltungen verboten, die Krönung findet vier Wochen verspätet statt.

1898:
Der Neusser Bürger-Schützen-Verein feiert sein 75-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erscheint eine Festschrift in redaktioneller Verantwortung von Friedrich August Gimmerthal.

06.09.1899:
Eine Hubertus-Scheiben-Schützen-Gesellschaft ruft zur Gründung auf; es entsteht die St.-Hubertus-Schützengesellschaft, deren Fahne im Juli 1899 geweiht wird..

13.8.1901: Eine neue Satzung wird beschlossen, die den seit dem 01.01.1900 geltenden Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches Rechnung trägt; in ihr ist festgelegt, dass der „Neusser Bürger-Schützen-Verein“ in das Vereinsregister eingetragen werden soll.

1902:
Erstmals nimmt die St.-Hubertus-Schützengesellschaft am Schützenfest teil.

1908:
Der Neusser Bürger-Schützen-Verein veranstaltet eine 300-jährige Jubelfeier; Anlass hierfür ist, dass in den Ratsprotokollen von Anfang des 17. Jahrhunderts eine Erlaubnis zu Schießspielen, Schützenappell und Vogelschuss gefunden wird. Kaiser Wilhelm II. verleiht aus diesem Grund den „Goldenen Schützenadler“, der heute vom Vizepräsident als Amtskette getragen wird (bis etwa zu den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts am schwarz-weißen Band, also an den preußischen Farben).

1912:
Der amtierende Schützenkönig erklärt Anfang August 1912, dass er verhindert sei, am Schützenfest teilzunehmen und auf seine Würde verzichte. Die Parade wird daher nur vom Komitee und den Ehrengästen abgenommen.

1914:
Die Generalversammlung am 25.07.1914 beschließt noch die Durchführung des Schützenfestes, nach der Mobilmachung zum 01.08.1914 wird es aber abgesagt.

1914-1919:
Das Schützenfest fällt wegen des Ersten Weltkriegs aus.

1920: Erstmals nach sieben Jahren findet wieder, wenn auch mit gekürztem Programm ein Schützenfest statt. Echte Waffen sind verboten, nur auf den Königsvogel darf mit einer Büchse geschossen werden. König ist seit 1913 der inzwischen 91-jährige Jakob Wiertz. Die Generalversammlung beschließt, dass der Oberst geborenes Mitglied des Komitees wird. Die Scheibenschützen lassen sich von der wieder gewonnenen Freude anstecken und marschieren erstmals und seitdem als Zug im Regiment mit (s. aber auch schon 1892).

1921:
Das Neusser Schützenfest gerät in die internationale Presse, man vermutet Revanchismus und wiederaufflackernden Militarismus.

1923 + 1924: Das Schützenfest fällt wegen der katastrophalen wirtschaftlichen Lage und des Einmarschs französischer und belgischer Truppen in das Ruhrgebiet aus.

21.08.1925:  Die belgische Besatzungsbehörde in Koblenz genehmigt das Schützenfest im letzten Moment; das Komitee hatte gerade mangels Erlaubnis die Absage beschlossen, es bereitet nun in aller Eile das Fest vor.

1926:
 Erstmals wird nach dem Abzug der Besatzung wieder ein Schützenfest im alten Stil gefeiert.

1927: Der Neusser Bürger-Schützen-Verein holt die 100-Jahr-Feier nach. 1270 Marschierer und diverse Musiker treten zum bislang größten Regiment an. An einem Plakatwettbewerb nehmen viele Neusser Künstler teil; den ersten Preis erhält Josef Kohlschein, den zweiten Severin Wasen, dessen Entwurf ausgeführt wird; dieser Entwurf lebt im heutigen Plakat weiter (als Regimentsfahnenträger zeigt das Plakat Franz Rath (Raths Fuss), der sehr lange Vorreiter war und die Regimentsfahne führte). Der Rundfunk überträgt das Jubiläumsschützenfest, eine Filmgesellschaft dreht über die Abläufe einen Film, der auch in verschiedenen Wochenschauen gezeigt wird. Hermann Schram wird mit dem ersten Schuss Schützenkönig.

1931:
Das Schützenfest fällt wegen der wirtschaftlichen Not aus.

17.08.1937: Präsident Marx und alle Mitglieder des Komitees erklären ihren Rücktritt, nachdem das Komitee entgegen dem Willen des NS-Kreisleiters die katholischen und evangelischen Pfarrer zur Parade in das Rathaus eingeladen hat. An die Spitze des Komitees tritt Oberbürgermeister Gelberg, der die weiteren Komiteemitglieder beruft. Zugnamen, die auf kirchliche Verbindungen hindeuten (z.B. Grenadierzug Münsterchor, Grenadierzug Kolpings-Eiche, Jägerzug Jung-Kolping), werden verboten.

1938: Robert Lonnes erringt die Würde des Schützenkönigs, er behält sie wegen des Zweiten Weltkriegs 10 Jahre lang. Scheibenkönig wird Hans Nover, er ist der letzte Scheibenkönig überhaupt, da nach dem Zweiten Weltkrieg kein Scheibenkönig mehr ermittelt wird.

1939:
Das Schützenfest währt nur einen Sonntag; es gibt kein Schützenhochamt. Schon acht Tage vor dem Festtermin werden Verdunklungsübungen als Luftschutz-Proben gehalten; das Fest soll aus Propagandagründen nach dem Willen der Regierung dennoch abgehalten werden. Die Züge sind durch zahlreiche Einberufungen dezimiert. Erstmals gibt es eine Zuschauertribüne auf dem Markt. Ab Montag fallen alle Umzüge aus, nachdem diverse weitere Stellungsbefehle zugegangen sind.

1940-1947:
Das Schützenfest fällt wegen des Zweiten Weltkriegs aus.

1940 + 1941:
Der Neusser Bürger-Schützen-Verein versendet eine kleine Schrift an seine Soldaten in der Ferne.

August 1945, Ende des Monats: Am historischen Schützenfesttermin, findet eine erste Zusammenkunft alter Komiteemitglieder statt.

1946: Ein neues vorbereitendes Komitee, in dem Albert Vellen die Leitung übernommen hat, trifft sich am 24.08.1946 mit Vertretern der Stadtverwaltung auf dem Rheindampfer „Frieden“, auf dem eine Kapelle zu Neusser Schützenfestliedern aufspielt. Auf dem Markt findet am 25.08.1946 ein Platzkonzert der Kapelle Rennefeld statt.

1947:
Erstmals nach den Schreckensjahren der Nazi-Diktatur dürfen sich Chargierte in Uniform in der Öffentlichkeit zeigen, jedoch ohne Musik und ohne Waffen. Sie ziehen in einem Schweigemarsch vom Rathaus zum Quirinus-Münster, wo ein festlicher Gottesdienst gefeiert wird. Bei allen Wünschen und Hoffnungen gedenken die Schützen und ihre Familien erst einmal der verstorbenen Angehörigen, Freunde und Schützenkameraden, ein vorschützenfestlicher Aufruf appelliert an die Neusser, „zum Schützenfest nicht nur alle Freuden, sondern ebenfalls alles Leid miteinander zu teilen“.

1948:
 Die Besatzungsmacht erlaubt ein größeres Fest als im Vorjahr. Komitee, Korpsführer, Adjutanten und die Chargierten dürfen mit Musik, aber immer noch ohne Säbel marschieren. Am Nachmittag des Schützenfestsamstag findet mit der Armbrust auf dem Pfauenhof im Hammfeld das Königsschießen statt. Am Samstagabend zieht wieder ein Fackelzug durch die Straßen der Stadt, dem Schützenhochamt folgt am Sonntagmorgen mit klingendem Spiel eine Parade der Chargierten, die sich zu Marschblöcken formieren. Der englische Kommandant, offenkundig vom schützenfestlichen Treiben beeindruckt, stellt schon jetzt seine Genehmigung zur Abhaltung des Schützenfestes für das kommende Jahr in Aussicht.

1949:
Das schützenfestliche Programm normalisiert sich, es wird gefeiert fast „wie in alten Zeiten“. Ministerpräsident Karl Arnold ist Ehrengast des Schützenfestes.

1950: Auf Anregung einiger Komiteemitglieder wird die „Schützenlust“ wieder begründet, beim Schützenfest 1951 marschiert sie erstmals wieder mit.

1951: Ein Höhnes (Blumenhornträger) aus dem Jägerzug „Hermann Löns“ ist Schützenkönig; erstmals findet aus diesem Anlass während der Parade ein gemeinsamer Aufmarsch der Höhnesse statt.

1952:
Die Chargierten dürfen erstmals wieder Säbel und Degen tragen, statt mit der Armbrust wie in den Vorjahren darf nun wieder mit einer Flinte auf den Königsvogel geschossen werden.

1953: Das Reitercorps feiert sein 125jähriges Bestehen, Präsident Vellen heftet einen goldenen Kranz an die Standarte des Reitercorps; Ministerpräsident Arnold und ein aus Neuss stammender Minister seines Kabinetts, der auch Komiteemitglied ist, stiften für die Fest- und Regimentsfahne ein grün-weiß-rot-seidenes Inschriftband. Der Krönungsball wird von dem Sonntag auf den Samstag nach dem Schützenfest verlegt; Grund ist die Bundestagswahl 1953. Beim Samstagstermin verbleibt es (1882 war der Krönungsball von mittwochs auf den nachfolgenden Sonntag verlegt worden).

1954:
Joseph Lange erstellt zum Sommer im Auftrag des Komitees ein Liederbuch, das -so das Vorwort von Joseph Lange- neben „eigentlichen Schützenliedern ... auch allgemeine vaterstädtische Lieder“ enthält, „die erste geschlossene Sammlung Neußer Lieder“.

1955:
Schützenkönig Hermann Wilhelm Thywissen schenkt dem Neusser Bürger-Schützen-Verein als Königsgeschenk eine Königsstandarte, die seitdem dem Schützenkönig vorangetragen wird.

1959:
Es gibt nur einen einzigen Königsbewerber, Joseph Lange, Stadtarchivar, späteres Komiteemitglied und Historiker des Vereins, nach dem 2004 das Rheinische Schützenmuseum Neuss mit Joseph-Lange-Schützenarchiv benannt wird.

1960:
Schützenkönig Lange stiftet als Königsgeschenk ein Glasfenster und regt an, es in ein Schützenhaus, ein Schützenmuseum zu integrieren. Oberst Tilmes verstirbt während des Fackelzuges. Die sonntägliche Parade fällt wetterbedingt aus, eine Parade wird beim Nachmittagsfestzug nachgeholt.

22.07.1961:
Die neue Stadthalle wird erstmals zur Versammlung der Bürger und Bürgersöhne schützenfestlich genutzt.

1962:
Die im 1961 wiederbegründete Schützgilde nimmt am Schützenfest teil.

1970:
Die Generalversammlung beschließt, dass das Schützenfest grundsätzlich am letzten Sonntag im August stattfindet, aber für traditionsbewusste Neusser blieb und bleibt es dabei: „Bartholomäus setzt die Kirmes“, das Schützenfest ist nun eben immer am Sonntag nach Bartholomäus, auch wenn dieses Apostelfest auf einen Sonntag fällt (früher dann an diesem Wochenende).

1972:
Das Schützenfest wird wegen der Olympischen Spiel in München acht Tage vorverlegt.

1973:
Die Stadt schenkt dem Neusser Bürger-Schützen-Verein zur 150-Jahrfeier ein Schützenglockenspiel, das im Sommer 1975 fertig gestellt ist und seitdem den Giebel des Vogthauses am Münsterplatz ziert. Letztmals findet der Sonntagabendumzug (Rückmarsch in die Stadt) statt, für die Zukunft wird er aus dem Programm genommen. Ab 1975 gibt es statt des früheren Sonntagabendumzuges auf dem Markt ein Platzkonzert und das Fahnenschwenken der Fahnenschwenker aus den einzelnen Korps.

1974:
Erstmals wird im Rahmen des Sonntagsprogramms (bei der Abholung von Schützenkönig, Komitee und Ehrengästen am Rathaus zum Festhochamt im Münster) der Name des Schützenkönigs auf dem Plakat abgedruckt.

1987: Die Totenehrung auf dem Markt, die in der Nachkriegszeit nach dem Schützenhochamt stattgefunden hat, wird auf den Samstagnachmittag verlegt. Dies strafft die sonntäglichen Zeitabläufe, es nehmen außerdem viel mehr Neusser als bislang hieran teil. Die Nähe der Totenehrung zum „Freut Euch des Lebens“ macht deutlich, wie eng Freud und Leid beieinander liegen können und dass man bei aller schützenfestlichen Freude die verstorbenen Angehörigen, Freunde und Schützenkameraden nicht vergisst.

1989: Erstmals nimmt die Schützenkönigin an einem schützenfestlichen Umzug teil; sie begleitet am Festzug des Dienstagnachmittags den Schützenkönig und sitzt mit ihm, dem Präsidenten und dem Bürgermeister in der ersten Kutsche. In weiteren Jahren kann die Schützenkönigin –dies ist ihr freigestellt- auch bei weiteren Nachmittagsumzügen teilnehmen.

1992: Hermann Wilhelm Thywissen, Rechtsanwalt und Fabrikant, Oberbürgermeister (1982-1987) und Ehrenbürger der Stadt Neuss, seit 1952 Mitglied des Komitees des Neusser Bürger-Schützen-Vereins und seit 1961 dessen Präsident wird zum Ehrenmitglied mit dem besonderen Titel „Ehrenpräsident“ ernannt. - Die Grenadiere feiern zum ersten Mal ihren Patronatstag zu Ehren Mariens.

20.08.1995: Ein Schützenportal am Quirinus-Münster (Südwestportal) mit zahlreichen Darstellungen aus dem Schützenwesen und seinen Heiligen aus der Hand des Kölner Bildhauers Elmar Hillebrand wird feierlich der Münsterpfarre und den Neusser Bürgern übergeben. Die Idee zu diesem Portal gab Oberpfarrer Msgr. Dr. Schelauske (Münsterpfarrer bis 2006), die Finanzierung wurde sichergestellt durch Spenden Neusser Bürger, vor allem der Quirinus-Schötzejeselle und des Ehrenpräsidenten Thywissen.

1997:
Der WDR überträgt in seinem 3. Fernseh-Programm live die Königsparade, ebenso 1998 und 1999, 2003 bis 2005 (2005 allerdings zeitversetzt am Nachmittag) und seit 2007.

1998: Der Bürger-Schützen-Verein feiert sein 175jähriges Bestehen. Es erscheint (nach 1973) in nunmehr stark erweiterter und aktualisierter Auflage das Werk „Bürger und Bürgersöhne“ von Joseph Lange zur Geschichte des Neusser Bürger-Schützen-Vereins.

Mai 2000: Zahlreiche Schützen nehmen aus Anlass des 950jährigen Jubiläums der Überführung der Gebeine des heiligen Quirinus nach Neuss an einem Festzug und einem feierlichen Gottesdienst im St. Quirinus-Münster teil.

27.08.2000: Die Parade wird wegen starken Dauerregens am Sonntag-Vormittag abgebrochen; auch der Festumzug am Sonntagnachmittag wird aus Wettergründen abgesagt.

19.08.2004: Das Rheinische Schützenmuseum Neuss mit Joseph-Lange-Schützenarchiv wird im Haus Rottels offiziell eröffnet. Das Haus Rottels ist das frühere Wohnhaus der Unternehmer-Familie Rottels, für die es der Neusser Baumeister Stephan Hermkes, eine Zeit lang selbst Mitglied und Rendant des Komitees, in den 20er Jahren des 19. Jhdt. plante und errichtete.

14.08.2004: Der amtierende Schützenkönig erklärt wegen anhaltender Diskussionen um seine Person zum Königsehrenabend (15.08.2004) seinen Rücktritt. Am Schützenfest wird die Parade daher nur vom Komitee und den Ehrengästen abgenommen (wie 1912).

2005: An der Vogelstange findet sich nur ein Königsbewerber (wie 1959), Karl-Theo Reinhart.

2006: Die Parade muss wegen eines starken Regenschauers kurz unterbrochen werden. Auch viele andere Festzüge werden durch das nasse Wetter beeinträchtigt. Das Königspaar lässt sich hierdurch seine Begeisterung nicht nehmen.

07.02.2007: Joseph Lange, Stifter, Namensgeber und Mitgründer des Rheinischen Schützenmuseums mit Joseph-Lange-Schützenarchiv, weit über die Stadtgrenzen anerkannter Nestor der Neusser Geschichtsschreibung, Ehrenmitglied des Schützen-Vereins, Schützenkönig 1959/1960 verstirbt im Alter von 95 Jahren.

25.07.2007: Die Neusser Scheibenschützengesellschaft von 1415, bis zum Ende des 18. Jhdt. Sebastianus-Bruderschaft, seit Beginn des 19. Jhdt. dem Patronat des Hl. Jakobus d.Ä. unterstellt, stiftet an ihrem Patronatstag den Neussern eine Skulptur des pilgernden Apostels Jakobus des Künstlers Bert Gerresheim. Sie wird nahe des Quirinus-Münsters auf dem Freithof aufgestellt.

18.08.2008: Wenige Tage vor dem Schützenfest verstirbt im Alter von 91 Jahren Hermann Wilhelm Thywissen, Ehrenpräsident des Neusser Bürger-Schützen-Vereins e.V. und Ehrenbürger der Stadt Neuss. Viele Schützen und Bürger beteiligen sich im vorschützenfestlich geschmückten Neuss an den Trauerfeierlichkeiten.

2008: Wie 1959 und 2005 gibt es nur einen Königsbewerber: Dr. Hermann-Josef Verfürth.

2009: Der Schützenfest-Sonntag und die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen fallen zusammen. Die Schützen, ihre Familien und Gäste feiern und nehmen ihre staatsbürgerlichen Rechte wahr; die Briefwahlquote ist überdurchschnittlich hoch.

2010: Erstmals am Schützenfest-Sonntag feiern die Schützen vor dem Schützenhochamt in der Münsterbasilika St. Quirin vor dem Festhochamt ein ökumenisches Morgenlob.


Quellen: Lange, Joseph, Bürger und Bürgersöhne, Neuss 1973, 1974 (1. u. 2. Aufl.); Lange, Joseph, Neusser Schützenwesen -Spiegelbild städtischer Geschichte und Kultur-, I. Teil, Neuss 1991; Lange, Joseph, Bürger und Bürgersöhne, Neuss 1998; „Freut Euch des Lebens, Schützen, Schützenfrauen und Schützenfest in Neuss am Rhein“ Hrsg. Vereinigung der Heimatfreunde Neuss e.V., Neuss 1998; Arns, Dienstbuch des Komitees 1953; Büsges, Goswin, Geschichte der Neußer Scheibenschützen-Gesellschaft, Neuß 1930;
Monographien, Schriften zur jährlichen Ausstellung in der Sparkasse anlässlich des Schützenfestes, Festschriften der Korps, Zeitungs- und Internetveröffentlichungen u.a.; Auskünfte der Stiftung Rheinisches Schützenmuseum mit Joseph-Lange-Schützenarchiv.

Zusammen gestellt von Martin Flecken

Schützenkönige - Tafel der bisherigen Schützenkönige der Stadt Neuss seit Gründung des Bürger-Schützen-Vereins im Jahre 1823.

2017 Martin, Georg I. 2016 Napp-Saarbourg, Christoph I. 2015 Sassenrath, Gerd Philipp I. 2014 Reipen, Markus I. 2013 Reuß jun., Rainer III. 2012 Antony, Jörg I. 2011 Halm, Rainer II. 2010 Kuhnert,Werner IV.
2009 Goetz, Joachim I. 2008 Verfürth, Hermann-Josef II. 2007 Dvorak, Horst II. 2006 Meyen, Mario I. 2005 Reinhart, Karl-Theo I. 2004 Coomann, Günter I. 2003 Sickel, Marco I. 2002 Brinker, Josef XI. 2001 Badort, Franz-Josef I. 2000 Uhr, Hans-Josef I.
1999 Krüll, Dieter I. 1998 Kremer, Adi I. 1997 Maassen, Heinz-Willi I. 1996 Matzel, Erich I. 1995 Mühleis, Hans IV. 1994 Meier, Bernhard III. 1993 Hellendahl, Christian V. 1992 Schröder, Hans-Dieter I. 1991 Matheisen, Jakob III. 1990 Nickel, Thomas I.
1989 Esgen, Horst I. 1988 Schlüter, Werner III. 1987 Twelker, Werner II. 1986 Krings, Josef X. 1985 Ingmann, Toni I. 1984 Busch, Holger I. 1983 Lemm, Siegfried I. 1982 Reuß, Rainer I. 1981 Beykirch, Hans III. 1980 Napp, Herbert I.
1979 Wickrath, Helmut II. 1978 Jansen, Heinz Peter I. 1977 Konrads, Hermann Josef I. 1976 Hüning, Willy XI. 1975 Wismann, Alexander I. 1974 Koch, Gerd IV. 1973 Flecken, Karl IX. 1972 Westphal, Alfred I. 1971 Hüsch, Heinz-Günter I. 1970 Gondorf, Mathias I.
1969 Meuter, Helmut I. 1968 Hartmann, Norbert I. 1967 Schiefer, Hans II. 1966 Tils, Hanns I. 1965 van Opbergen, Gerd I. 1964 Straaten, Hermann VI. 1963 Schaurte, Christian IV. 1962 Lentz, Heinrich XII. 1961 Kircher, Bernd II. 1960 Herbrechter, Karl VIII.
1959 Lange, Joseph IX. 1958 Kallen, Peter Wilhelm I. 1957 Kistler, Bruno I. 1956 Küppers, Josef VIII. 1955 Kraemer, Josef VII. 1954 Thywissen, Hermann Wilhelm I. 1953 Heitzmann, Ernst I. 1952 Lutz, Arthur I. 1951 Boetticher, Carl Arthur I. 1950 Koch, Bernhard I.
1949 Kluth, Peter VI. 1948 Klöcker, Willy X. 1947 fiel das Schützenfest aus 1946 fiel das Schützenfest aus 1945 fiel das Schützenfest aus 1944 fiel das Schützenfest aus 1943 fiel das Schützenfest aus 1942 fiel das Schützenfest aus 1941 fiel das Schützenfest aus 1940 fiel das Schützenfest aus
1939 keinen Schützenkönig ermittelt 1938 Lonnes, Robert I. 1937 Zabel, Karl VII. 1936 Tilmes, Josef VI. 1935 Gelberg, Wilhelm IX. 1934 Klepper, Karl VI. 1933 Schaurte, Werner I. 1932 Kreuels, Matthias I. 1931 fiel das Schützenfest aus 1930 Holthausen, Johann VII.
1929 Tives, Heinrich XI. 1928 Weyers, Heinrich X. 1927 Schram, Hermann V. 1926 Vreden, Wilhelm VIII. 1925 Küppers, Martin I. 1924 fiel das Schützenfest aus 1923 fiel das Schützenfest aus 1922 van Opbergen, Josef V. 1921 Vell, Franz II. 1920 van Haag, Rudolf I.
1919 fiel das Schützenfest aus 1918 fiel das Schützenfest aus 1917 fiel das Schützenfest aus 1916 fiel das Schützenfest aus 1915 fiel das Schützenfest aus 1914 fiel das Schützenfest aus 1913 Wiertz, Jakob III. 1912 Inhoffen, Wilhelm VII. 1911 Servaes, Jakob II. 1910 Pelzer, Heinrich IX.
1909 Voswinkel, Adolf I. 1908 Breuer, Carl V. 1907 Schmitt, August III. 1906 Thywissen, Cornelius I. 1905 Klein, Josef IV. 1904 Helten, Arnold I. 1903 Weyers, Heinrich VIII. 1902 Schmauks, Fritz I. 1901 Gallas, Peter V. 1900 Laufs, Karl IV.
1899 Bongartz, Peter IV. 1898 Schnitzler, Wilhelm IV. 1897 Laufs, Karl III. 1896 Cremer, Johann VI. 1895 Breuer, Max I. 1894 Tilmann, Engelbert I. 1893 von Schorlemer, Clemens III. 1892 Iselin, Louis I. 1891 Denecke, Karl II. 1890 Jossen, Franz I.
1889 Schellens, Christian III. 1888 Norbisrath, Quirin II. 1887 Kraus, Heinrich VII. 1886 Reinartz, Johann V. 1885 Klein, Karl I. 1884 Boehm(er), Wilhelm V. 1883 Streffing, August II. 1882 Kloetzer, Clemens II. 1881 Heck, Anton I. 1880 Ross, Adam I.
1879 Thomas, Hermann IV. 1878 Müller, Hermann III. 1877 Kloetzer, Clemens I. 1876 Holter, Joseph III. 1875 Schneider, Wilhelm V. 1874 Helkenberg, Wilhelm IV. 1873 Flück, Gerhard III. 1872 Loers, Johann IV. 1871 Zapp, Leberecht I. 1870 fiel das Schützenfest aus
1869 Welter, Hermann II. 1868 Kronen, Heinrich VI. 1867 Sandkaulen, Heinrich V. 1866 fiel das Schützenfest aus 1865 Horn, Joseph II. 1864 Brebeck, Heinrich IV. 1863 Hahn, Michael I. 1862 Berger, Gerhard II. 1861 Jores, Wilhelm III. 1860 Blum, Peter III.
1858 Hesemann, Heinrich III. 1857 Willems, Hermann I. 1856 Kronen, Gerhard I. 1855 Rangen, Laurenz II. 1854 Engels, August I. 1853 Prinz, Heinrich II. 1852 Bremer, Johann III. 1851 Burgemeister, Johann II. 1850 Mainz, Heinrich I.
1849 Blankenstein, Quirin I. 1848 Schäfer, Johann I. 1847 nicht bekannt 1846 Busch, Arnold I. 1845 Dünbier, Everhard I. 1844 Ermter, Wilhelm II. 1843 nicht bekannt 1842 nicht bekannt 1841 nicht bekannt 1840 Hansen, Stephan I.
1839 nicht bekannt 1838 Hansen, Christian II. 1837 Servaes, Wilhelm I. 1836 nicht bekannt 1835 Kessel(er), Gabriel I. 1834 Klötzer, Clemens I. 1833 nicht bekannt 1832 fiel das Schützenfest aus 1831 fiel das Schützenfest aus 1830 Rangen, Laurenz I.
1829 nicht bekannt 1828 nicht bekannt 1827 nicht bekannt 1826 Leuchtenberg, Joseph I. 1825 Cloeren, Peter II. 1824 Creyfelds, Peter I. 1823 Mildenberg, Christian I.

Buchempfehlungen - Zur Neusser Schützengeschichte gibt es das umfassende Standardwerk "Bürger & Bürgerssöhne" von Joseph Lange. Ein weiterer Tipp: "Freut euch des Lebens" der Heimatfreunde.

Joseph Lange - Bürger und Bürgerssöhne
175 Jahre Neusser Bürger-Schützen-Verein 1823 - 1998

Das erstmalig 1973 erschienene Standardwerk Neusser Schützengeschichte wurde anläßlich des 175jährigen Jubiläums des Bürger-Schützen-Vereins im Jahre 1998 neu bearbeitet und ist seitdem in der 3. aktualisierten Auflage erhältlich.

Autor Joseph Lange, Stadtarchivdirektor a.D., selbst langjähriger Schütze, Schützenkönig von 1959, ehemaliges Komiteemitglied und Ehrenmitglied des Bürger-Schützen-Vereins, gewährt auf nahezu 700 reich bebilderten Seiten einen umfassenden Einblick in das Neusser Schützenwesen: Von seinen Anfängen bis zur Neuzeit.

Lesen Sie hier das Nachwort der erweiterten Neuauflage 1998

"Der, Auftrag, Bürger und Bürgerssöhne in den 175 Jahren des Neusser Bürger-Schützen-Vereins vorzustellen und ihr Tun und Treiben im Rahmen eines alteingewurzelten und wiederbelebten heimatlichen Brauchtums zu beschreiben, ging weit über den Inhalt der ersten Auflage hinaus, die vor 25 Jahren erschienen ist, und deren Umfang aus verschiedenen Gründen begrenzt war. Eine beachtlich ausgeweitete Quellenlage und daraus resultierende weiterführende Arbeiten ermöglichten über Jahrzehnte hinweg eine breitere Darstellung. Dasselbe gilt für die Zeit danach, die ebenso, und in weiten Teilen erstmalig, völlig neu bearbeitet werden mußte. Und wenn einer seit mehr als 60 Jahren in den verschiedensten Positionen mit dem Thema auf das engste verbunden ist und dazu fast ein halbes Jahrhundert einen Schützenrock trägt, erscheint es sinnvoll, daß auch von dieser Seite aus erlebter Wirklichkeit Wissen und Erfahrung in die Darstellung eingebracht werden. So ist aus verschiedenen Wurzeln ein stattlicher Band herangewachsen, aus dem zumindest eines zu ersehen ist, das Bemühen, in möglichster Bandbreite alle Bereiche zu erfassen. Trotzdem ließen sich gewiß interessante Themen, wie beispielsweise 'Das Neusser Schützenfest in der Kunst' oder 'Kirmes und Schützenfest im Neusser Sprachgebrauch' leider nicht mehr einfügen.

Eines wird durch alle Zeiten hindurch deutlich: Schützen und Schützenwesen standen und stehen nicht als geschlossene Gesellschaft im bürgerlichen Leben, sie waren und sind offen und allumfassend, genossen und genießen die Teilnahme der Behörden wie der Stadtväter, und sie waren immer auf das engste mit dem Schicksal der Vaterstadt verbunden, das sie in guten wie in schlimmen Zeiten mitzutragen wußten, insbesondere dann, wenn Not und Tod und Trauer ein Ende gesetzt, und die Bürger und die Schützen sich wieder zusammenfanden zu einem neuen Anfang.

Die Quellenlage erlaubte es, Meinungen und Tendenzen zu korrigieren; auch negative Seiten wurden aufgeblättert, - nicht jeder Glanz ist eben ohne matte Stellen. Insgesamt ist ein breites Panorama über das stadtneusser Schützenwesen, seine Lebensäußerungen und sein Erscheinungsbild entstanden, in dem viele einen Platz gefunden haben, von der Zuggemeinschaft als kleinster Zelle bis hin zum großen Korps, vom schlichten Bürgersmann bis hin zum prachtgewandeten Würdenträger, und wenn Nebensächlichkeiten auftreten oder Eitelkeiten durchschimmern,- nun, das gehört zum Gesamtbild.

Hier ist nachvollzogen, wie die Männer sich zum Feiern einreihen in das große Ganze, wie sie sich freiwillig unterordnen, um der gemeinsamen Freude und dem gemeinsamen Spiel zu dienen gemäß dem alten Grundsatz "Ludimus, non laedimus!" wir spielen nur, wir tun keinem etwas zuleide. Nach einem Ritus, wie ihn die Altvorderen ausgedacht und nachfolgenden Generationen weitergegeben haben, freuen und begeistern sie sich noch nach 175 Jahren, die Alten wie die Jungen, und der Jungen sind nicht weniger, sondern immer mehr geworden, als jemals den Neusser Schützenfahnen gefolgt sind.

Nur: Größe allein ist nicht entscheidend, ebenso wenig gedankenloses und oberflächliches Tun und Treiben. Die existenzielle Grundlage unseres historischen Schützenwesens, seine sozial prägende und Gegensätze überbrückende Kraft, seine im Boden der Geschichte wurzelnde vaterstädtisch-stolze Ausdrucksform, seine Lebensäußerungen und Darstellungen müssen als wertvoller Bereich heimatlicher Volkskultur und heimatlichen Selbstverständnisses von einem willensstarken Bewußtsein weiterhin geprägt, gefördert und für die Zukunft gesichert werden in der Familie und in der Gemeinschaft der Bürger unserer Vaterstadt.

Wenn dieses Werk dazu beitragen würde, wäre dies der schönste Dank. Vielleicht geht dann auch eines Tages der Wunsch in Erfüllung, den ich als Schützenkönig vor 39 Jahren verantwortlichen Männern vorgetragen habe: Ein Haus für die Schützen, für ihren Silberschatz, ihre musealen Sammlungen und ihr Archiv, ein Haus auch zur Betätigung und zum Verweilen im schützenbrüderlichen Kreis. Sie haben es längst verdient...

Mein persönlicher Dank gilt allen, die das Werden und Wachsen dieses Bandes mit Wohlwollen und Verständnis, gelegentlich auch mit Fragen und mit Sorge begleitet haben, insbesondere meiner Frau und meiner Familie, einer der vielen Neusser Schützenfamilien, die alljährlich, wie die Schützen singen, 'wenn die Ernte ist vorüber', rüsten zu 'des Neussers Freud` und Lust!'"

Joseph Lange

Lange, Joseph: Bürger und Bürgerssöhne. 175 Jahre Neusser Bürger-Schützen-Verein. 3. (neu bearbeitete und erweiterte) Auflage. Neuss, August 1998. ISBN 3-923 607-27-X

Dieses Buch ist im Neusser Buchhandel und im Schützenbüro erhältlich.

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