Die weiße Schützenhose kann er ungebügelt im Schrank lassen, denn als Oberst wird Bernd Herten erstmals in seiner Laufbahn ein schwarzes Beinkleid mit goldenen Streifen tragen. Vorausgesetzt, er wird gewählt. Doch mit mehr Rückenwind kann ein Bewerber kaum starten als der 49-jährige Metzgermeister, der am Montagabend einstimmig vom Komitee des Neusser Bürger-Schützen-Vereins nominiert wurde – auf ebenso einstimmige Empfehlung aller Korpsführer.

Der Wahltermin steht fest: Samstag, 8. August. Oberstehrenabend. Die Wahl selbst erfolgt auf Zuruf, wie es Schützenpräsident Martin Flecken nennt. Ihm wird die Aufgabe zufallen, den in der Stadthalle versammelten Schützen einen Kandidaten für das Amt des Höchstchargierten im Neusser Regiment zu benennen. Es könne sich natürlich noch ein Bewerber aus der Versammlung heraus melden, doch dieser Fall ist nach Wissen von Hubertusmajor Volker Albrecht noch nie eingetreten – und damit noch seltener als der Rücktritt eines Obristen vor Ablauf der Wahlperiode. Genau das aber passierte am vorvergangenen Wochenende, als Walter Pesch – auch er ein Grenadier – überraschend sein Amt niederlegte.

Allerdings hatte sich Martin Flecken schnell gefangen. Nur fünf Minuten nachdem er die Korpsführer schriftlich von der Vakanz an der Regimentsspitze informiert hatte, rief er schon Bernd Herten an. Der war vor fünf Jahren schon einmal als Oberst im Gespräch, als ein Nachfolger für Heiner Sandmann gesucht wurde. „Danach hatte ich mit der Sache abgeschlossen“, sagte er. Deshalb hat er noch niemanden im Auge, der sein Adjutant werden könnte.

Herten ist Grenadier und seit Gründung des Zuges Oberleutnant von „Nix als Trabbel“. Für ihn spricht, so fasst es Volker Albrecht zusammen, dass er ein Schütze aus Überzeugung und sich der Traditionen bewusst ist. Albrecht hätte noch hinzufügen können, dass mit dem Namen Bernd Herten die Hoffnung verbunden wird, einen Truppenführer an der Spitze zu haben, der nicht so sehr die Komiteelinie vertritt. Flecken lobt wiederum Hertens Organisationstalent und seine Fähigkeit, Menschen zusammen zu bringen.

Dass Herten als Oberst reiten muss, ist das geringste Problem. Er gehört seit 27 Jahren dem Reiterkorps Gnadental an und zeigt sich seit Jahren auch im Spätherbst sattelfest – als St. Martin im Komitee Neuss-Altstadt. Christoph Kleinau

Schützenpräsident Martin Flecken (l.) und Hubertus-Major Volker Albrecht als Sprecher der Korpsführer (r.) stellten Bernd Herten als ihren gemeinsamen Bewerber für das Amt des Schützen-Oberst in Neuss vor.

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