Historische Fotos, vor allem solche mit Personen, sind immer ein Anziehungspunkt. Das erlebt Britta Spies, Leiterin des Rheinischen Schützenmuseums in Neuss, oft. Daher können die Besucher bald an einem Medientisch „wühlen“, wie Spies ankündigt. Der ähnelt einem riesigen Tablet, geladen mit vielen historischen Fotos. Tippt man eins an, dreht es sich, und auf der Rückseite stehen die entsprechenden Infos. Spies’ Wunsch wäre, dass auch die historischen Filme, die das Museum im Bestand hat, unkompliziert an Monitoren gezeigt werden könnten, am besten mit Kopfhörern.

Keine extravaganten Wünsche eigentlich, dennoch nicht so leicht zu erfüllen, denn die finanziellen Mittel sind beschränkt. Das Museum an der Oberstraße 58 ist kein städtisches, Träger ist eine Stiftung (Gründer: Neusser Bürger-Schützen-Verein, Rhein-Kreis Neuss und Stadt Neuss). „Wir sind auch noch nach knapp 16 Jahren ein Museum im Aufbau“, sagt die Leiterin, die eine Halbtagsstelle hat, ebenso wie ein wissenschaftlicher Mitarbeiter. Unterstützt werden die beiden von gut 20 Ehrenamtlern. Fast jede Neuanschaffung setzt einen Antrag voraus. Und Sponsoren sind immer willkommen. „Die Idee war von Anfang an, die Bevölkerung zu bitten, das Museum mitaufzubauen“, sagt Spies. Das hat funktioniert. Die 6000 Objekte sind größtenteils Geschenke aus Hinterlassenschaften oder Leihgaben aus Privatbesitz. Ankäufe sind eher nicht vorgesehen.

Schwierig sei jedoch, Besucher anzulocken, die das Schützenwesen kaum kennen. „Für viele ist alles, was mit Schützen zu tun hat, keine Kultur“, sagt Spies. Dass dem doch so ist, darüber kann sie aus dem Stegreif einen Vortrag halten. Und was Britta Spies nach jahrelanger Erfahrung kennt, ist die Reaktion der Besucher, die zum ersten Mal den Weg in die 14 Räume an der Oberstraße 58 im Haus Rottels finden: Erstaunen und Begeisterung.

Der Start 2004 des Museums war nicht einfach. Grundlage war die Sammlung des ehemaligen Stadtarchivars Joseph Lange:  Fotos, Protokolle, Zeitungsausschnitte. Außerdem war in den Räumlichkeiten die stadthistorische Außenstelle des Clemens-Sels-Museum untergebracht. Nach und nach jedoch übernahm das „neue Museum“ die Örtlichkeit, 2005 bereits mit einem Mittelalter-Raum, in dem über die Anfänge des Schützenwesens informiert wurde. Heute können die Besucher die Geschichte der Schützen vom Mittelalter bis zur Gegenwart auf der ersten Etage nachverfolgen, im zweiten Stockwerk ist die Dauerausstellung zu Hause, die über Bräuche informiert, jede Menge Orden, Uniformen, Hüte, Kleider zeigt, auch die Königskette des Neusser Bürger-Schützen-Vereins. Sonderausstellungen, jedes Jahr eine, sind in der dritten Etage.

Zwei Tage in der Woche (mittwochs und sonntags) hat das Museum geöffnet, Führungen auch an anderen Tagen können gebucht werden. „Ein dritter Tag wäre sicher gut“, sagt Spies und nennt den Samstag. Das sieht auch Martin Flecken so. Der Präsident des Neusser Bürger-Schützen-Vereins ist gleichzeitig Vorsitzender des Stiftungskuratoriums. Auch ihm ist klar, dass man das Marketing für das Haus optimieren könnte. Doch: „Wir haben nur begrenzte Mittel zur Verfügung“, sagt er und ist sich sicher, dass Mundpropaganda noch die beste Werbung sei, und diese auch über den Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften gelänge, der „breit vernetzt ist“, so Flecken.

Die Uniform-Sammlung des Schützenmuseums bekommt Zuwachs: Stefan Reiss, ehemaliger Major des 1. Neusser Regiments-Tambourkorps, hat sein Schmuckstück zur Verfügung gestellt. Britta Spies muss jetzt einen Platz dafür suchen.
Ein Medientisch mit Touchscreen soll das Angebot des Rheinischen Schützenmuseums erweitern. Knapp 16 Jahre alt ist die Einrichtung, die Anzahl der Objekte von 200 auf 6000 angestiegen. Bekannt ist es aber nur in Insiderkreisen.

INFO

Bis zu 3500 Besucher pro Jahr

Beschreibung Dargestellt wird dort die fast 700-jährige Geschichte des Schützenbrauchtums, nicht nur des Neussers.

Inventar
Unter anderem gehören Uniformen, Pokale, Ehrennadeln, Königinnen-Kleider, Orden sowie die Königskette des Neusser Bürger-Schützen-Vereins dazu.

Besucher
Jährlich sind es zwischen 2.800 und 3.500.

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