In der Vorfreude der Neusser auf ihr erstes Bürger-Schützenfest (27. bis 30. August) nach drei Jahren steht am Samstag (6. August) ein erster Höhepunkt bevor. Beim Oberstehrenabend in der Stadthalle (Beginn: 18.30 Uhr) stellt sich Bernd Herten als Kandidat für den Posten an der Spitze des Regiments dem Votum der anwesenden Mitglieder des Neusser Bürger-Schützen-Vereins (NBSV 1823 e.V.).

Im Anschluss an die Wahl sieht das Protokoll die Ernennung des Regimentsadjutanten durch den Oberst vor. Hertens Wahl zum Regimentschef gilt – trotz der Möglichkeit einer Anmeldung weiterer Anwärter aus der Versammlung heraus – nach mehr als zwei Jahren im buchstäblichen Wartestand als ebenso sicher wie dann die Ernennung von Stefan Lülsdorf zu seinem Adjutanten. Die beiden Neusser, die in Neuss-Grefrath wohnen, hatten bereits nach ihren einstimmigen Nominierungen durch das Komitee und die Korpsführer des NBSV im Frühjahr 2020 ungeachtet ihrer zweimal aufgeschobenen Wahl faktisch die Aufgaben des Höchstchargierten unter den Neusser Schützen und seines Adjutanten übernommen. Am Samstag jedoch löst sich voraussichtlich der formal bisher notwendige Zusatz „designiert“ vor ihren neuen Titeln endgültig auf.

„Natürlich können wir uns Hoffnungen machen, dass die Neusser Schützen mich zum Oberst wählen und damit auch sozusagen im Paket Stefan Lülsdorf zum Adjutanten machen. Dennoch ist die Wahl als Vorgang ein wichtiger und großer Moment nicht nur für uns beide als einzelne Schützen, sondern auch ganz persönlich. Deswegen war uns eine Wahl auf einer Präsenzveranstaltung so wichtig, dass wir in der Hoch-Zeit der Corona-Pandemie lieber über zwei Jahre auf den offiziellen Titel gewartet und nicht auf einer theoretisch auch möglichen Videokonferenz in die neuen Ämter kommen. Wir fanden beide, dass der Respekt vor dem persönlichen Votum der Schützen auch keine andere Möglichkeit zugelassen hätte“, beschreibt Herten die Bedeutung der Abstimmung. Entsprechend verspürt auch Lülsdorf seit Tagen schon wachsende Anspannung: „Die Nervosität steigt immer mehr, aber es wäre auch schade, wenn es anders wäre und man einem solchen Abend vollkommen emotionslos entgegenblicken würde.“

Herten wird im Fall seiner Wahl als 18. Oberst in der bald 200 jährigen Geschichte des Neusser Bürger-Schützen-Vereins an der Spitze der Neusser Bürger-Schützen stehen. Sein Vorgänger Walter Pesch hatte das Amt Ende Februar 2020 kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie aus persönlichen Gründen niedergelegt. Nach Peschs Demission einigten sich das Komitee und die Korpsführer einhellig auf Herten als gemeinsamen Kandidaten. Wie schon Pesch gehören auch Herten und Lülsdorf dem Neusser Grenadier-Korps an. Der Oberst-Kandidat und bisherige Oberleutnant des Zuges „Nix als Trabbel“ war für seinen künftigen Posten bereits vor Peschs Ernennung im Gespräch gewesen.

Zweimal schoss der 51-Jährige außerdem an der Vogelstange vergeblich um die Schützenkönigswürde. Der Metzgermeister ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen und auch über das Schützenwesen hinaus engagiert: in der Neusser Innenstadt reitet Herten etwa jährlich als St. Martin durch die Stadt. Als Hertens Stärken neben seiner Leidenschaft für das traditionsbewusste Schützenwesen gelten Organisationstalent sowie seine integrative Persönlichkeit. „Ich bin ein Freund klarer Worte“, charakterisiert Herten sich selbst. Lülsdorf ist 16 Jahre jünger als sein designierter „Chef“ und marschierte bisher im Zug „Op Zack“ mit. Der selbstständige Elektrotechnikermeister ist ebenfalls verheiratet. Das Paar erwartet im Herbst das erste Kind.

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