Seit 2011 gehört Michael Schmuck dem Komitee des Neusser Bürger-Schützen-Vereins e.V. an. Zuletzt amtierte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Neuss zudem als Vizepräsident. Kurz vor seinem Abschied aus der Vereinsführung blickt der 64-Jährige auf seine Tätigkeit für die Neusser Bürger-Schützen zurück und zugleich hoffnungsfroh in die Zukunft.

Herr Vizepräsident Schmuck, schon im vergangenen Sommer haben Sie Ihren Rückzug aus dem Komitee öffentlich angekündigt. Mit den Neuwahlen auf der bevorstehenden Jahreshauptversammlung endet Ihre Amtszeit offiziell. Mit welchen Gefühlen blicken Sie Ihrem Abschied aus der Vereinsspitze entgegen?

Ich komme damit relativ gut zurecht. Denn mein Rückzug zum jetzigen Zeitpunkt steht schon seit mehreren Jahren fest: Als mich der damalige Präsident Thomas Nickel um die Übernahme der seinerzeit vakanten Position des Vizepräsidenten gebeten hatte, habe ich gerne zusagt – aber in Übereinstimmung mit meinem Lebensalter nur bis zu meinem 65. Geburtstag, der nun Anfang Januar ansteht. Insofern kannten alle und ich diesen Tag X schon sehr lange Zeit. Wegen meiner anderen zahlreichen ehrenamtlichen Aufgaben neben meinem Beruf gehe ich aber ohne Wehmut, wenn ich auch sicherlich einige Dinge, die wunderschön gewesen sind, vermissen werde.

Aus welchen Gründen hatten Sie sich schon bei Ihrem Amtsantritt auf diese begrenzte Amtszeit festgelegt?

Ich hatte die Aufgabe im Komitee eigentlich mit meinem Übergang in den Ruhestand bei der Sparkasse Neuss harmonisieren wollen. Damals war nicht absehbar, dass ich noch über meinen 65. Geburtstag hinaus arbeiten werde. In der Verlängerung meiner Berufstätigkeit sehe ich aber keinen Grund, automatisch auch meine Arbeit im Komitee zu verlängern, zumal wir ja von vornherein eine klare Vereinbarung über die Zeit meines Engagements getroffen hatten. Außerdem ist meine zeitliche Beanspruchung über mein Hauptamt bei der Sparkasse Neuss hinaus bisher durch weitere Ehrenämter wie die Tätigkeit im Komitee des Neusser Bürger-Schützen-Vereins und als Schatzmeister im Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes zuletzt sehr hoch gewesen. Ich musste deswegen hinsichtlich meiner Lebensplanung, nachdem ich auf viele Dinge 20 oder sogar 30 Jahre tendenziell eher verzichtet habe oder die zu kurz gekommen sind, eine Entscheidung treffen – und dafür ist ein 65.Geburtstag ein ganz guter Termin.

Welche Dinge bekommen denn künftig den Vorzug in Ihrem Leben?

Neben meiner Arbeit möchte ich mein Ehrenamt beim DRK auch noch nach meiner Pensionierung ausüben, außerdem sollen nun nach 20, 30 Jahren vor allem meine Familie, meine alten Freundschaften und meine Hobbys zu ihrem Recht kommen. Besonders diesen drei Bereichen möchte ich mehr Zeit widmen.

Welche Hobbys werden Sie denn pflegen?

Ich bin relativ sportlich, ich fahre leidenschaftlich gerne Motorrad. So wie ich es betreibe, ist es auch sehr zeitintensiv, denn wenn ich fahre, sind es schon zumeist Tagestouren. Ich fahre auch viel Fahrrad und Mountainbike, ich wandere gerne, ich möchte wieder Ski-Langlauf machen – also es gibt noch genügend Betätigungsfelder im Hobby-Bereich, die alle auch ihre Zeit benötigen.

Sie haben bereits schöne Erfahrungen während Ihrer Amtszeit im Komitee angesprochen. An welche Erlebnisse denken Sie besonders gerne zurück?

Für mich ist das Schützenfest aus Sicht des Komitees, auch wenn es nicht das Erlebnis eines Schützen ist, absolut großartig. Man bekommt alles hautnah mit – ob es der Vogelschuss ist oder der Zapfenstreich, die Begegnungen mit den Ehrengästen im Rathaus, auf dem Weg zum Hochamt in St. Quirin und später beim Königsmahl. Das, was viele nur aus weiter Ferne miterleben können oder vielleicht sogar überhaupt nicht, erleben wir mit einem unverbauten Blick und einer Unmittelbarkeit, die wirklich einfach nur großartig ist.

Haben sich Ihre Erwartungen beim Eintritt ins Komitee im Rückblick erfüllt?

Bei der Übernahme eines solchen Amtes ist man zunächst einmal in erster Linie demütig, dass man um die Wahrnehmung einer ehrenvollen und verantwortungsvollen Aufgabe gebeten wurde. Deswegen hatte ich auch nicht erwartet, jeden Tag nur Spaß und Freude zu erleben. Mir war klar, dass es eine fordernde und mit viel Verantwortung verbundene Aufgabe ist, denn die Organisation unseres Schützenfestes erfordert vom Komitee jedes Jahr neu eine intensive Vorbereitung über einen sehr langen Zeitraum. Diese Erwartung also, dass es sich um viel Arbeit handelt und nicht alles immer nur leicht ist, hat sich bewahrheitet. Ich hatte allerdings keine konkrete Vorstellung von den schönen Seiten der Arbeit im Komitee besonders während des Schützenfestes, so dass sich wunderschöne Erlebnisse realisiert haben. Alleine die Fahrten in der Kutsche mit unseren Ehrengästen wie unserem früheren Ministerpräsidenten Armin Laschet oder dem chinesischen Botschafter – viele besondere Charaktere – sind Erlebnisse, die einfach nur großartig gewesen sind und die ich natürlich vermissen werde.

Wie, glauben Sie, werden Sie künftig mit Ihren Erfahrungen der vergangenen Jahre auf das Neusser Schützenfest blicken?

Es ist ja das Schöne am Neusser Schützenwesen, dass man nach seiner Zeit im Komitee nicht in ein Loch fällt. Vielmehr kann man dann wieder erleben, was das Neusser Schützenfest für jeden Einzelnen ausmacht: die Gemeinschaft über das ganze Jahr und dann natürlich auch das Schützenfest selbst mit so vielen schönen Momenten und vielen Begegnungen auf der Wiese. Das Schützen-Leben hört nicht auf, wenn man nicht mehr Mitglied des Komitees ist.

In den beiden vergangenen Jahren war der Spaß der Neusser Schützen und Bevölkerung aufgrund der beiden Schützenfest-Absagen 2020 und 2021 wegen der Corona-Pandemie spürbargetrübt. Wie schätzen Sie die daraus entstandenen Auswirkungen und Belastungen ein?

Wenn man Corona insgesamt als globales Problem für die Menschen betrachtet, dann kann man die Interessen der Neusser Schützen und des Vereins sicherlich etwas relativieren. Wir haben – als Verein und als Schützen – unseren Beitrag durch unsere Aktionen unter dem Slogan „Wir.Schützen.Neuss.“ auch geleistet, mit der Pandemie gut umzugehen. Die Absagen waren eine harte Belastung für den Verein, weshalb ich mich nochmals bei allen Schützen bedanke, die mit ihren Beiträgen auch ohne die beiden Schützenfeste den Verein durch diese schwere Zeit und damit auch die grundsätzliche Idee des Vereins getragen haben. Die Schützen haben zusammengestanden, die Korps haben ihre Beiträge geleistet, dass wir sichtbar geblieben sind und man erkennen konnte, dass der Verein lebt. Positiv empfinde ich, dass die Gemeinschaft der Schützen auch ohne das Fest als Leuchtturm nicht gelitten hat, nach meiner Wahrnehmung sogar durch diese Krise eher noch gestärkt worden ist.

Wenn Sie nun aus dem Komitee ausscheiden: Wie ist der Neusser Bürger-Schützen-Verein für die Zukunft aufgestellt?

Der Verein steht gut da. Der Verein wird getragen von den Schützen, von den Verantwortlichen in den Zügen und in den Korps. Das Komitee und die Korpsführern arbeiten an immer weiteren Verbesserungen der Zusammenarbeit und sind darüber in einem offenen Dialog. Es ist eine positive Grundhaltung vorhanden, alle Herausforderungen zu meistern. Wir haben enorme Veränderungen, gesellschaftlich oder auch im Bereich der Sicherheitskonzepte, liebgewonnene Abläufe und Prozesse haben sich auch schon verändert. Es wird alles immer etwas schwieriger, und das müssen wir meistern. Unsere Aufgabe ist es, den fast 200 Jahre alten Kern des Schützenfestes und des Schützenwesens zu erhalten, und den werden wir auch erhalten können. Im Rahmen der Veränderungen, die auf uns alle zukommen, müssen wir den Kern jedes Jahr so erhalten und gestalten, dass die Schützen Freude haben und ein wunderschönes Schützenfest feiern können. Wir haben ja keinerlei Nachwuchsprobleme, so dass ich überhaupt keine Bedenken habe, dass nach unserem 200-Jahre-Jubiläum 2023 auch in noch einmal 200 Jahren in Neuss Schützenfeste und das Schützenwesen weiterhin Bestand haben. Die Herausforderung ist eben jedes Jahr, alles so
anzupassen, dass das Schützenfest möglich und erlaubt bleibt. Ich habe auch volles Vertrauen in die Korpsführer und das Komitee, dass das auch gelingen wird.

Herr Schmuck, vielen Dank für das Gespräch. Alles Gute und Gesundheit für die Zukunft.

Das Gespräch führte Dietmar Kramer aus dem NBSV1823-Redaktionsteam

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