Mit der Vorstellung des diesjährigen Schützenfest-Plakates hat das Komitee des Neusser Bürger-Schützen-Vereins bei der Premiere seines virtuellen Schützen-Sprechtages eine Brücke zwischen Tradition und Gegenwart geschlagen. Schwerpunkte der ersten offenen Fragerunde auf der Facebook-Seite des NBSV bildeten jedoch zunächst Erläuterungen zur Finanzlage des Vereins und Ausblicke auf die Zukunft des Heimatfestes
nach dem zweiten coronabedingten Ausfall nacheinander. Außerdem informierte das Komitee über Planungen für Alternativprogramme am eigentlichen Schützenfest-Wochenende sowie eine spontan ins Leben gerufene Spendenaktion zugunsten der von der Überschwemmungs-Katastrophe betroffenen Menschen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz (siehe gesonderte Pressemitteilung vom 18.Juli 2021).

In einem „Kassenbericht light“ zog Schatzmeister Robert Rath nach der Begrüßung der Internet-Community durch Präsident Martin Flecken in beispielhafter Transparenz die Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr 2019/20. Dabei ging Rath besonders ausführlich auf Fragen von Schützen nach Ausgaben des NBSV trotz des Ausfalls der „Tage der Wonne“ 2020 ebenso ein wie nach der Verwendung des dennoch erzielten Überschusses in Höhe von rund 131.000 Euro. Demnach wendete der NBSV alleine für die weiterlaufende Miete für die Fackelbauhallen fast 200.000 Euro auf, investierte in die letztlich mit einem Plus abgeschlossene Sonderaktion mit dem Quirinus-Würfel auf dem Markt rund 100.000 Euro, zahlte für Versicherungsbeiträge auch von Veranstaltungen der einzelnen Korps sowie Beratungsdienstleistungen gut 60.000 Euro, entlohnte Aushilfskräfte mit über 20.000 Euro und zahlte außerdem Steuern in Höhe von nochmals etwas mehr als 20.000 Euro. Der außerordentlich hohe und „nicht planbar
gewesene“ Überschuss floss in die aufgrund gesetzlicher Vorgaben notwendige Erstellung eines neuen Schießstandes auf der Schützenwiese (80.000 Euro) sowie die Sanierung der inzwischen vollständig von Schützen und nicht mehr auch von Karnevalisten genutzten Fackelbauhalle hinter dem Theater am Schlachthof an der Blücherstraße (60.000 Euro für Elektroleitungen und Sanitäranlagen).

„Ohne einen Schießstand könnten wir keinen Schützenkönig ermitteln, und die Ausgaben für die Halle sind ebenfalls sehr sinnvoll, weil dort viele Schützen viel Zeit zum Wohle des Vereins und der Stadt verbringen und deswegen vernünftige Bedingungen erwarten dürfen und haben sollen. Den Schützen geht also nichts verloren“, sagte Rath. Anhand dieser Zahlen, die der frühere Grenadier-Schatzmeister Cornel Tilmes als einer von vier Kassenprüfern aus den Reihen der Korps als „in einer ordnungsgemäßen Kassenführung absolut nachvollziehbar“ bezeichnete, zog Rath ein positives Resümee: „Wir sind finanziell gut durch die Pandemie gekommen.“ In seinem Fazit betonte der Schatzmeister zudem die Bedeutung der regulären Vereinsbeiträge der Schützen in Form
ihres Aktivenbeitrages in Höhe von 50,00 Euro auch in Jahren ohne Schützenfest. Denn die immerhin rund 270.000 Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr deckten selbst im ersten Corona-Jahr die Fixkosten des Vereins gerade einmal nur zu knapp 60 Prozent. „Wir fordern die Zahlung des ganz normalen Jahresbeitrages nicht ein, aber wir bitten nachdrücklich darum. Denn in normalen Jahren ist das Verhältnis von Beiträgen zu sonstigen Einnahmen noch ungesünder. Wir sind noch sehr abhängig davon, dass keine großen Sponsoren ausfallen. Deswegen können wir dankbar sein, mit nur 50,00 Euro pro aktivem Mitglied ein Fest von der Dimension unseres Schützenfestes veranstalten zu können. Dafür lebt unsere Gesellschaft und auch unsere Stadt von unserem Vereinswesen und ist davon durchdrungen.“

Präsident Martin Flecken ging noch tiefer ins Detail: „Ohne Sponsoren und Spenden müsste der Aktivenbeitrag in regulären Jahren bei 178,28 Euro liegen.“ Ebenfalls konkret nannte Flecken am Tag der ausgefallenen „Zog Zog“-Versammlung Rahmendaten von NBSV-Aktivitäten trotz des Ausfalls auch des diesjährigen Schützenfestes. Am 6. August (Freitag) wird auf dem Neusser Markt erneut der Quirinus-Würfel enthüllt, der in diesem Jahr mit Bildern des Kindermalwettbewerbes „Dein Schützenfest in allen Farben“ dekoriert sein wird. Die Jubilare des Regiments von 2020 und dieses Jahres werden am eigentlichen Schützenfest-Samstag (28. August) im Zeughaus geehrt, nachdem schon in den Tagen zuvor ein Programmheft für die Tage ohne Programm erschienen sein wird. Zudem finden das traditionelle Totengedenken auf dem Hauptfriedhof und das sonntäglich
Schützenhochamt in der Quirinus-Basilika statt.

„Darüber hinaus hoffen wir wieder auf zahlreiche Sozialaktionen der Züge, und dass Schützenfest auch wieder in kleinen Kreisen dort gefeiert wird, wo es seine Wurzeln hat: in den Zügen und ihren Familien“, sagte Flecken.
Anders als einzelne Korps wird der NBSV jedoch keine übergeordneten Veranstaltungen ausrichten. Flecken: „Das ließe sich zwar organisieren, aber Einladungen dazu müssten sich ausnahmslos an alle Schützen und ihre Familien richten, aber das wollen wir in diesen Zeiten aus Vernunft und Verantwortung getreu unseres unveränderten Mottos ‚Wir.Schützen.Neuss‘ für die Gesamtheit unserer Schützen nicht.“

Der ersehnten Zeit mit endgültiger Kontrolle über das Infektionsgeschehen in der Corona-Pandemie blickt das Komitee bei aller Vorfreude auf ein „normales Schützenfest“ durchaus mit gemischten Gefühlen entgegen, wie Robert Rath durchblicken ließ. „Es wird sicher Vorschriften für Hygienekonzepte geben. Es ist momentan zwar noch schwer vorstellbar, was das im Detail bedeutet, aber es wird einiges auf uns zukommen. Sicher ist aber auch: Wir werden Antworten finden“, erklärte Rath.

Eine visuelle Antwort zumindest schon auf das zweite Jahr in Folge ohne Schützenfest gibt das offizielle Plakat für das ausgefallene Heimatfest. Statt eines „normalen“ Festprogramms mit „Fällt aus“-Stempel wie 2020 unter dem klassischen Vorreiter-Motiv ziert der von Schützenmeister Dr. Achim Robertz entworfene Schriftzug „Du fehlst uns“ das in Kürze erhältliche Poster. „Der Satz“, erläuterte Robertz die Aussage, „beschreibt, wie schwer der Neusser Bevölkerung das Herz blutet, und wirkt aus verschiedenen Blickwinkeln: „Uns fehlt das Schützenfest, aber ein bisschen fehlt ohne Schützenfest doch beinahe jedem irgendetwas und irgendjemand.“
Flecken stellte schließlich bereits eine Fortführung der „Schützen-Sprechtage“ an. „Wir wollen im Gespräch mit den Schützen bleiben, und dieses Format bietet sich auch für Jahre ohne Corona-Kontaktbeschränkungen an, gerade für Schützen, die ansonsten nur für das Schützenfest nach Neuss kommen können. Gerne möchten wir über das World Wide Web ein wenig vom Flair unseres Neusser Bürger-Schützenfestes in die Welt tragen.“ Für interessierte Schützen und Neusser steht die Sendung „Schützen-Sprechtag“ als Aufzeichnung zur Verfügung

Teil 1

Teil 2:

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